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Kollokationen und natürliche Wortverbindungen

Warum Wortschatz als wiederkehrende Wortverbindungen statt als isolierte Übersetzungen verstanden werden sollte.

1.Schnellreferenz

Eine Kollokation ist eine typische, wiederkehrende Wortverbindung. Sie liegt zwischen völlig freier Kombination und stark fester Wendung.

freie Verbindung
→ typische Kollokation
→ stark gebundene Verbindung
→ Idiom / feste Wendung

Beispiele:

eine Entscheidung treffen
Kritik üben
starker Regen
hohe Wahrscheinlichkeit
Interesse an + Dativ

Die wichtigste Lernidee:

NICHT: Entscheidung = decision
SONDERN: Entscheidung + treffen + über + Akk. + typisches Beispiel

Referenzprinzip: Ein Wort ist erst dann wirklich aktiv gelernt, wenn seine typischen Partner, grammatischen Muster und Registerwerte mitgelernt sind.


2.1. Kollokation als Grundeinheit

Eine Kollokation ist eine wiederkehrende, konventionelle Wortverbindung. Die beteiligten Wörter behalten meist ihre eigene Bedeutung, treten aber deutlich häufiger miteinander auf als mit vielen theoretisch möglichen Alternativen.

Typische Verbindungen:

  • eine Entscheidung treffen
  • starker Regen
  • großes Interesse
  • eine Rolle spielen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


3.2. Warum Einzelübersetzungen nicht reichen

Ein Wörterbucheintrag erklärt Bedeutung, aber nicht automatisch, mit welchen Wörtern ein Ausdruck natürlich kombiniert wird. Deshalb gehört zu aktivem Wortschatz immer auch die typische Umgebung eines Wortes.

Typische Verbindungen:

  • eine Frage stellen, nicht nur Frage = question
  • Interesse wecken, Interesse zeigen, Interesse haben

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


4.3. Freie Verbindung

In freien Verbindungen können viele Wörter relativ problemlos ausgetauscht werden. Die Kombination ist semantisch nachvollziehbar, aber nicht stark lexikalisch festgelegt.

Typische Verbindungen:

  • ein rotes Auto
  • ein kleines Auto
  • ein altes Auto

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


5.4. Kollokation

Bei einer Kollokation ist die Auswahl eines Partners deutlich eingeschränkt. Andere Wörter wären grammatisch möglich, klingen aber weniger idiomatisch oder verändern die Bedeutung.

Typische Verbindungen:

  • eine Entscheidung treffen
  • Verantwortung übernehmen
  • Kritik üben

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


6.5. Idiom

Ein Idiom ist stärker lexikalisiert als eine typische Kollokation: Die Gesamtbedeutung lässt sich häufig nicht vollständig aus den Einzelwörtern ableiten.

Typische Verbindungen:

  • ins Auge fallen
  • den Nagel auf den Kopf treffen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


7.6. Nomen-Verb-Verbindung

Viele Nomen-Verb-Verbindungen sind zugleich Kollokationen. Manche funktionieren als relativ feste Funktionsverbgefüge, andere bleiben semantisch transparenter.

Typische Verbindungen:

  • eine Entscheidung treffen
  • in Betracht ziehen
  • zur Verfügung stehen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


8.7. Mehrwortlexem und feste Wendung

Zwischen freier Verbindung, Kollokation und Idiom gibt es Übergänge. Für Lernende ist die genaue theoretische Kategorie weniger wichtig als die Frage, wie fest eine Verbindung ist und wie sie tatsächlich verwendet wird.

Typische Verbindungen:

  • freie Verbindung → Kollokation → feste Wendung / Idiom

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


9.8. Basis und Kollokator

In vielen Beschreibungen ist die Basis das semantisch zentrale Wort, während der Kollokator die typische lexikalische Auswahl liefert. Bei eine Entscheidung treffen ist Entscheidung die Basis und treffen der Kollokator.

Typische Verbindungen:

  • Entscheidung + treffen
  • Interesse + wecken
  • Kritik + üben

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


10.9. Verb + Nomen

Verb-Nomen-Kollokationen gehören zu den wichtigsten Mustern des Deutschen. Oft ist gerade das Verb nicht direkt aus einer Übersetzung vorhersehbar.

Typische Verbindungen:

  • eine Frage stellen
  • einen Antrag stellen
  • Verantwortung übernehmen
  • Maßnahmen ergreifen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


11.10. Nomen + Verb als Subjekt

Auch die typische Verbwahl zu einem nominalen Subjekt ist kollokational geprägt.

Typische Verbindungen:

  • die Nachfrage steigt
  • die Kosten sinken
  • ein Problem entsteht
  • ein Verdacht besteht

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


12.11. Adjektiv + Nomen

Adjektive verbinden sich nicht beliebig mit Nomen. Manche Kombinationen sind besonders typisch und tragen oft fachliche oder registerbezogene Präzision.

Typische Verbindungen:

  • starker Regen
  • hohe Wahrscheinlichkeit
  • große Bedeutung
  • schwerer Fehler

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


13.12. Adverb + Adjektiv

Auch Intensivierer und Gradadverbien zeigen typische Kombinationsmuster.

Typische Verbindungen:

  • äußerst wichtig
  • stark umstritten
  • tief enttäuscht
  • hoch relevant

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


14.13. Adverb + Verb

Bei Verben kann ein typisches Adverb die Art und Weise idiomatisch präzisieren.

Typische Verbindungen:

  • heftig kritisieren
  • dringend empfehlen
  • ausdrücklich betonen
  • nachdrücklich fordern

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


15.14. Nomen + Nomen

Nomen können durch Genitiv, Präposition oder Komposition typische lexikalische Beziehungen bilden.

Typische Verbindungen:

  • eine Reihe von Maßnahmen
  • Mangel an Personal
  • Zugang zu Bildung

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


16.15. Präpositionale Muster

Wortschatz umfasst nicht nur Wörter, sondern auch ihre Präpositionen und Kasusmuster. Solche Verbindungen sollten als Einheit gelernt werden.

Typische Verbindungen:

  • Interesse an + Dativ
  • abhängig von + Dativ
  • sich beziehen auf + Akkusativ

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


17.16. Verb + Präposition

Präpositionalrektion ist eine besonders wichtige Form lexikalischer Kombination. Die Präposition ist oft nicht aus der Bedeutung allein ableitbar.

Typische Verbindungen:

  • warten auf + Akk.
  • teilnehmen an + Dat.
  • bestehen aus + Dat.

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


18.17. Nomen + Präposition

Viele Nomen besitzen stabile Präpositionsmuster, die mit verwandten Verben oder Adjektiven zusammenhängen können.

Typische Verbindungen:

  • Interesse an + Dat.
  • Angst vor + Dat.
  • Einfluss auf + Akk.

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


19.18. Adjektiv + Präposition

Auch Adjektive müssen oft mitsamt ihrer Präposition gelernt werden.

Typische Verbindungen:

  • interessiert an + Dat.
  • stolz auf + Akk.
  • abhängig von + Dat.

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


20.19. Wortfamilien als Kollokationsnetz

Verwandte Wörter teilen nicht automatisch dieselben Partner. Ein Wortfamiliennetz sollte daher mit seinen jeweiligen Kollokationen gelernt werden.

Typische Verbindungen:

  • entscheiden → eine Entscheidung treffen
  • entschlossen → fest entschlossen sein

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


21.20. Semantische Präferenz

Ein Wort kann nicht nur bestimmte einzelne Partner bevorzugen, sondern ganze Bedeutungsfelder. schwer verbindet sich etwa häufig mit Problemen, Fehlern, Folgen oder Krankheiten.

Typische Verbindungen:

  • schwerer Fehler
  • schwere Folgen
  • schwere Erkrankung

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


22.21. Kollokative Präferenz

Nicht jede plausible Kombination ist gleich typisch. Natürlichkeit entsteht oft durch Häufigkeit und Konvention.

Typische Verbindungen:

  • starker Regen, aber starker Wind
  • hohe Wahrscheinlichkeit, aber große Chance

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


23.22. Stärke von Kollokationen

Kollokationen können schwächer oder stärker gebunden sein. großes Haus ist relativ frei, große Bedeutung deutlich konventioneller, in Betracht ziehen noch stärker lexikalisiert.

Typische Verbindungen:

  • frei → typisch → stark gebunden

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


24.23. Produktivität

Manche Muster erlauben viele neue Kombinationen, andere nur wenige. Produktivität ist ein Kontinuum und gehört zur Einschätzung eines Ausdrucks.

Typische Verbindungen:

  • eine Frage stellen / einen Antrag stellen / einen Antrag einreichen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


25.24. Register

Kollokationen tragen oft Registerinformation. Eine Kombination kann neutral, umgangssprachlich, fachsprachlich, journalistisch oder administrativ sein.

Typische Verbindungen:

  • eine Entscheidung treffen – neutral
  • eine Maßnahme ergreifen – formeller

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


26.25. Fachsprache

In Fachtexten sind typische Wortverbindungen besonders wichtig, weil sie präzise Kategorien und etablierte Handlungsmuster ausdrücken.

Typische Verbindungen:

  • eine Diagnose stellen
  • Daten erheben
  • eine Hypothese prüfen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


27.26. Wissenschaftssprache

Wissenschaftliche Kollokationen strukturieren Argumentation, Evidenz und Methodik. Viele sind fachübergreifend produktiv.

Typische Verbindungen:

  • eine Annahme zugrunde legen
  • eine Schlussfolgerung ziehen
  • Ergebnisse deuten darauf hin

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


28.27. Verwaltungssprache

Administrative Texte bevorzugen bestimmte standardisierte Kombinationen, die im Alltag oft formeller wirken.

Typische Verbindungen:

  • einen Antrag stellen
  • eine Genehmigung erteilen
  • eine Frist einhalten

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


29.28. Journalistische Sprache

Journalistische Kollokationen helfen, Ereignisse knapp und wiedererkennbar zu beschreiben.

Typische Verbindungen:

  • Kritik üben
  • Druck ausüben
  • Gespräche aufnehmen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


30.29. Gesprochene Sprache

In spontaner Rede treten häufig kurze, hochfrequente Kollokationen auf. Zu formelle Kombinationen können in Alltagssituationen unnötig schwer wirken.

Typische Verbindungen:

  • eine Idee haben
  • Bescheid sagen
  • Spaß machen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


31.30. Schriftliche Sprache

Schriftliche Register erlauben oft stärker verdichtete und nominale Kollokationen.

Typische Verbindungen:

  • Maßnahmen ergreifen
  • Berücksichtigung finden
  • zur Anwendung kommen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


32.31. Positive Konnotation

Ein kollokationaler Partner kann die typische Bewertung eines Ausdrucks mitprägen.

Typische Verbindungen:

  • großer Erfolg
  • wertvolle Erfahrung
  • berechtigte Hoffnung

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


33.32. Negative Konnotation

Manche Wörter treten besonders häufig in negativen Kontexten auf und ziehen typische Partner an.

Typische Verbindungen:

  • schwerwiegende Folgen
  • heftige Kritik
  • ernste Bedenken

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


34.33. Near-Synonyme sind nicht austauschbar

Nahe Synonyme können unterschiedliche Kollokationen besitzen. Genau deshalb ist Übersetzen Wort für Wort riskant.

Typische Verbindungen:

  • eine Entscheidung treffen, aber einen Entschluss fassen
  • Kritik üben, aber Zweifel äußern

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


35.34. machen als Übergebrauchsverb

Lernende greifen oft auf machen zurück, obwohl das Deutsche einen spezifischeren Kollokator bevorzugt. Das Ergebnis ist häufig verständlich, aber wenig idiomatisch.

Typische Verbindungen:

  • eine Entscheidung treffen, nicht *eine Entscheidung machen
  • einen Fehler machen – dagegen korrekt

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


36.35. haben als Übergebrauchsverb

Auch haben kann semantisch möglich, aber kollokational zu allgemein sein. Typische Alternativen tragen oft präzisere Bedeutungen.

Typische Verbindungen:

  • Interesse haben
  • aber Interesse zeigen / wecken / verlieren

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


37.36. geben als Funktionsverb

geben ist in einigen Kollokationen völlig natürlich und sollte nicht pauschal ersetzt werden.

Typische Verbindungen:

  • eine Antwort geben
  • einen Hinweis geben
  • Unterstützung geben – je nach Kontext möglich

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


38.37. treffen

treffen ist ein produktiver Kollokator mit bestimmten abstrakten Nomen, aber nicht mit beliebigen Entscheidungen oder Handlungen.

Typische Verbindungen:

  • eine Entscheidung treffen
  • eine Auswahl treffen
  • Vorbereitungen treffen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


39.38. stellen

stellen bildet zahlreiche etablierte Nomen-Verb-Verbindungen. Die gemeinsame Bedeutung ist oft nur teilweise wörtlich.

Typische Verbindungen:

  • eine Frage stellen
  • einen Antrag stellen
  • eine Diagnose stellen
  • Ansprüche stellen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


40.39. führen

führen verbindet sich mit Gesprächs-, Prozess- und Wirkungsnomen und ist besonders in formelleren Registern produktiv.

Typische Verbindungen:

  • ein Gespräch führen
  • Verhandlungen führen
  • zu Problemen führen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


41.40. leisten

leisten ist in abstrakten Kollokationen häufig und kann Beitrag, Hilfe oder Widerstand ausdrücken.

Typische Verbindungen:

  • einen Beitrag leisten
  • Hilfe leisten
  • Widerstand leisten

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


42.41. ziehen

ziehen ist in mehreren abstrakten Verbindungen stark lexikalisiert.

Typische Verbindungen:

  • eine Schlussfolgerung ziehen
  • in Betracht ziehen
  • Konsequenzen ziehen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


43.42. üben

üben erscheint in formelleren Kollokationen für Einfluss, Kritik oder Druck.

Typische Verbindungen:

  • Kritik üben
  • Druck ausüben
  • Einfluss ausüben

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


44.43. erheben

erheben ist typisch für Daten, Vorwürfe, Ansprüche und formale Forderungen.

Typische Verbindungen:

  • Daten erheben
  • Vorwürfe erheben
  • Anspruch erheben

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


45.44. ergreifen

ergreifen ist ein formeller Kollokator für Maßnahmen, Initiativen oder Chancen.

Typische Verbindungen:

  • Maßnahmen ergreifen
  • die Initiative ergreifen
  • eine Chance ergreifen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


46.45. wahrnehmen

wahrnehmen besitzt mehrere lexikalische Muster und Registerwerte. Es kann sehen/bemerken, eine Funktion ausüben oder eine Möglichkeit nutzen bedeuten.

Typische Verbindungen:

  • eine Aufgabe wahrnehmen
  • eine Chance wahrnehmen
  • Interessen wahrnehmen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


47.46. nehmen

nehmen ist in zahlreichen festen und halbfreien Verbindungen produktiv.

Typische Verbindungen:

  • Rücksicht nehmen
  • Einfluss nehmen
  • in Anspruch nehmen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


48.47. bringen

bringen bildet häufig kausative oder resultative Kollokationen.

Typische Verbindungen:

  • in Gefahr bringen
  • zum Ausdruck bringen
  • in Zusammenhang bringen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


49.48. kommen

kommen ist zentral in Funktionsverbgefügen, die einen Zustand, Beginn oder eine Realisierung ausdrücken.

Typische Verbindungen:

  • zur Anwendung kommen
  • zum Einsatz kommen
  • in Frage kommen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


50.49. stehen

stehen bildet häufig Zustands- und Verfügbarkeitskollokationen.

Typische Verbindungen:

  • zur Verfügung stehen
  • unter Druck stehen
  • in Verbindung stehen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


51.50. setzen

setzen verbindet sich mit Ziel-, Prioritäts- und Prozessnomen.

Typische Verbindungen:

  • Prioritäten setzen
  • Ziele setzen
  • in Gang setzen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


52.51. geraten

geraten ist typisch für unerwünschte Zustandsveränderungen und feste Präpositionalverbindungen.

Typische Verbindungen:

  • unter Druck geraten
  • in Schwierigkeiten geraten
  • in Vergessenheit geraten

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


53.52. wecken

wecken verbindet sich häufig mit Aufmerksamkeit, Interesse, Hoffnung oder Erwartungen.

Typische Verbindungen:

  • Interesse wecken
  • Hoffnung wecken
  • Erwartungen wecken

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


54.53. äußern

äußern ist ein wichtiger Kollokator für Meinungen, Kritik, Zweifel und Bedenken.

Typische Verbindungen:

  • Kritik äußern
  • Zweifel äußern
  • Bedenken äußern

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


55.54. begründen

Auch semantisch relativ transparente Kombinationen können typische Muster bilden, besonders in Argumentation.

Typische Verbindungen:

  • eine Entscheidung begründen
  • eine Position begründen
  • eine Forderung begründen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


56.55. stark

stark ist ein häufiger Intensivierer, aber nicht universell. Seine Partner hängen stark vom Bedeutungsfeld ab.

Typische Verbindungen:

  • starker Regen
  • starke Nachfrage
  • starker Anstieg
  • stark betroffen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


57.56. hoch

hoch tritt besonders mit abstrakten Skalen, Wahrscheinlichkeiten, Kosten und Ansprüchen auf.

Typische Verbindungen:

  • hohe Wahrscheinlichkeit
  • hohe Kosten
  • hohe Anforderungen
  • hohes Risiko

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


58.57. groß

groß kombiniert sich mit vielen abstrakten Nomen, aber die Wahl ist nicht beliebig.

Typische Verbindungen:

  • große Bedeutung
  • großes Interesse
  • großer Einfluss
  • große Sorge

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


59.58. schwer

schwer kann physisches Gewicht, Schwierigkeit oder Ernsthaftigkeit ausdrücken; Kollokationen zeigen, welche Lesart gemeint ist.

Typische Verbindungen:

  • schwere Aufgabe
  • schwerer Fehler
  • schwere Folgen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


60.59. tief

tief wird in emotionalen und wertenden Kollokationen häufig metaphorisch verwendet.

Typische Verbindungen:

  • tief enttäuscht
  • tief besorgt
  • tiefe Überzeugung

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


61.60. heftig

heftig verbindet sich mit Intensität, Konflikt oder Reaktion.

Typische Verbindungen:

  • heftig kritisieren
  • heftige Debatte
  • heftiger Widerstand

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


62.61. dringend

dringend markiert hohen Handlungsbedarf und ist in Empfehlungen und Forderungen häufig.

Typische Verbindungen:

  • dringend empfehlen
  • dringend benötigen
  • dringender Handlungsbedarf

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


63.62. ausdrücklich

ausdrücklich markiert, dass etwas explizit und bewusst formuliert wird.

Typische Verbindungen:

  • ausdrücklich betonen
  • ausdrücklich erlauben
  • ausdrücklich widersprechen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


64.63. nachdrücklich

nachdrücklich beschreibt starke, wiederholte oder energische kommunikative Handlungen.

Typische Verbindungen:

  • nachdrücklich fordern
  • nachdrücklich warnen
  • nachdrücklich widersprechen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


65.64. Kollokationen und Kasus

Zu einer Kollokation gehört oft auch die Kasusrektion. Wer nur die Wörter speichert, aber nicht das grammatische Muster, besitzt die Verbindung noch nicht vollständig.

Typische Verbindungen:

  • jemandem Hilfe leisten
  • einen Antrag stellen
  • an einer Sitzung teilnehmen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


66.65. Kollokationen und Artikel

Manche festen Muster bevorzugen einen bestimmten Artikeltyp oder kommen häufig artikellos vor.

Typische Verbindungen:

  • in Betracht ziehen
  • zur Verfügung stehen
  • unter Druck stehen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


67.66. Kollokationen und Numerus

Singular und Plural können die Natürlichkeit oder Bedeutung eines Musters beeinflussen.

Typische Verbindungen:

  • Maßnahmen ergreifen
  • eine Maßnahme treffen – untypisch

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


68.67. Kollokationen und Komposita

Einige semantische Beziehungen können als freie Wortgruppe oder als Kompositum erscheinen. Die Wahl ist lexikalisch konventionell.

Typische Verbindungen:

  • Datenschutzproblem
  • Problem des Datenschutzes
  • Zugangskontrolle

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


69.68. Kollokationen und Wortstellung

Mehrwortverbindungen sind keine starren Blöcke. Flexion, Satzklammer und Informationsstruktur können ihre Teile voneinander trennen.

Typische Verbindungen:

  • Wir treffen morgen eine Entscheidung.
  • Die Entscheidung wurde gestern getroffen.

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


70.69. Passiv

Viele Verb-Nomen-Kollokationen können ins Passiv gesetzt werden. Dadurch bleibt die Kollokation erhalten, aber die Informationsstruktur ändert sich.

Typische Verbindungen:

  • Die Entscheidung wurde getroffen.
  • Die Maßnahmen wurden ergriffen.

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


71.70. Nominalstil

Formelle Texte verdichten Kollokationen häufig nominal. Dabei entstehen neue typische Verbindungen.

Typische Verbindungen:

  • eine Entscheidung treffen → die Entscheidungsfindung
  • Maßnahmen ergreifen → die Ergreifung von Maßnahmen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


72.71. Verbalisierung

Umgekehrt kann ein dichter Nominalstil durch verbale Kollokationen lesbarer gemacht werden.

Typische Verbindungen:

  • die Durchführung der Analyse → die Analyse durchführen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


73.72. Kollokationen in Wörterbüchern

Gute Wörterbücher zeigen typische Partner, Beispiele, Register- und Rektioninformationen. Diese Angaben sind für aktive Verwendung oft wichtiger als eine lange Liste möglicher Übersetzungen.

Typische Verbindungen:

  • Bedeutung + Partner + Grammatik + Register

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


74.73. Korpusbelege

Korpora zeigen reale Häufigkeiten und Kontexte. Sie helfen besonders dann, wenn mehrere grammatisch mögliche Kombinationen miteinander konkurrieren.

Typische Verbindungen:

  • Welche Variante kommt tatsächlich häufiger vor?

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


75.74. Häufigkeit ist nicht alles

Eine sehr häufige Kombination ist nicht automatisch in jedem Register passend. Häufigkeit muss zusammen mit Bedeutung, Textsorte und Region gelesen werden.

Typische Verbindungen:

  • häufig ≠ immer passend

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


76.75. Regionale Variation

Auch Kollokationen können regional variieren. Besonders im DACH-Raum können unterschiedliche Verben, Präpositionen oder feste Wendungen standardsprachlich etabliert sein.

Typische Verbindungen:

  • regionale Standardvariation beachten

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


77.76. Zeitliche Variation

Kollokationen können sich verändern: Manche Verbindungen werden produktiver, andere wirken veraltet oder nur noch in bestimmten Textsorten üblich.

Typische Verbindungen:

  • Sprachgebrauch ist dynamisch

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


78.77. Fehlende Eins-zu-eins-Entsprechung

Eine Kollokation der Ausgangssprache hat häufig keine strukturell gleiche Kollokation im Deutschen. Übersetzt werden muss die ganze Verbindung.

Typische Verbindungen:

  • to make a decision → eine Entscheidung treffen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


79.78. Interferenz

Viele unnatürliche Kombinationen entstehen durch direkte Übertragung aus einer anderen Sprache. Grammatik kann korrekt sein, obwohl die Wortwahl kollokational fremd wirkt.

Typische Verbindungen:

  • *eine Entscheidung machen → eine Entscheidung treffen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


80.79. Fehler vs. Ungewöhnlichkeit

Nicht jede seltene Kombination ist grammatisch falsch. Sie kann kreativ, fachlich speziell oder einfach ungewöhnlich sein. Kollokationswissen betrifft daher Wahrscheinlichkeit und Norm, nicht nur richtig/falsch.

Typische Verbindungen:

  • grammatisch möglich ≠ idiomatisch typisch

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


81.80. Kreative Abweichung

Literatur, Werbung und Journalismus können typische Kollokationen bewusst brechen. Solche Effekte funktionieren gerade deshalb, weil die normale Kombination bekannt ist.

Typische Verbindungen:

  • Erwartung brechen setzt Erwartung voraus

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


82.81. Rezeptive Kompetenz

Beim Lesen und Hören helfen Kollokationen, Wortgruppen schneller als Einheit zu erkennen. Dadurch sinkt die Verarbeitungslast.

Typische Verbindungen:

  • zur Verfügung stehen als Einheit erkennen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


83.82. Produktive Kompetenz

Beim Sprechen und Schreiben erhöhen sichere Kollokationen Flüssigkeit, Präzision und Natürlichkeit, weil weniger Wort-für-Wort konstruiert werden muss.

Typische Verbindungen:

  • Chunks beschleunigen Produktion

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


84.83. Chunks

Viele Kollokationen werden mental als teilweise vorgefertigte Einheiten verarbeitet. Das erklärt, warum häufige Wortgruppen flüssiger produziert werden können.

Typische Verbindungen:

  • eine Rolle spielen
  • zur Verfügung stehen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


85.84. Kollokationen statt Wortlisten

Eine Wortliste mit isolierten Übersetzungen speichert zu wenig Information. Nützlicher ist ein Eintrag mit Form, Partner, Beispiel und Register.

Typische Verbindungen:

  • Entscheidung → treffen → eine wichtige Entscheidung treffen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


86.85. Minimaler Lerneintrag

Für ein neues Wort sollte mindestens ein typischer Partner und ein vollständiges Beispiel gespeichert werden.

Typische Verbindungen:

  • Kritik – Kritik üben – Die Opposition übt Kritik.

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


87.86. Erweiterter Lerneintrag

Auf höheren Niveaus lohnt sich ein Eintrag mit mehreren Kollokatoren, Rektion, Register, Kontrast und Wortfamilie.

Typische Verbindungen:

  • Interesse: haben / zeigen / wecken / verlieren; Interesse an + Dat.

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


88.87. Kollokationsprofil eines Nomens

Ein Nomen kann mit typischen Verben, Adjektiven und Präpositionen gelernt werden. Das ergibt ein kleines lexikalisches Netzwerk.

Typische Verbindungen:

  • Entscheidung: treffen / begründen / schwierige / politische / Entscheidung über

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


89.88. Kollokationsprofil eines Verbs

Auch ein Verb sollte mit typischen Objekten, Adverbien und Präpositionen gespeichert werden.

Typische Verbindungen:

  • äußern: Kritik / Zweifel / Bedenken / sich zu + Dat. äußern

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


90.89. Kollokationsprofil eines Adjektivs

Bei Adjektiven sind typische Nomen und Gradadverbien besonders relevant.

Typische Verbindungen:

  • hohe Kosten / hohe Wahrscheinlichkeit / äußerst hoch

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


91.90. Synonymnetz mit Kollokationen

Synonyme sollten nicht nur nach Bedeutung, sondern nach Partnern verglichen werden.

Typische Verbindungen:

  • Entscheidung treffen ↔ Entschluss fassen
  • Fehler machen ↔ Irrtum begehen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


92.91. Kollokationen und Textsorte

Eine typische Verbindung kann stark an bestimmte Textsorten gebunden sein. Fachartikel, Bewerbung, Nachricht und Gespräch aktivieren unterschiedliche Kollokationsfelder.

Typische Verbindungen:

  • Bewerbung: Erfahrung sammeln / Verantwortung übernehmen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


93.92. Kollokationen und Thema

Themenwortschatz wird natürlicher, wenn nicht nur Einzelwörter, sondern typische Verbindungen gesammelt werden.

Typische Verbindungen:

  • Umwelt: Emissionen senken / Ressourcen schonen / Maßnahmen ergreifen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


94.93. Kollokationen und Argumentation

Argumentative Texte verwenden wiederkehrende Verbindungen für Position, Evidenz und Schlussfolgerung.

Typische Verbindungen:

  • ein Argument anführen
  • eine Position vertreten
  • eine Schlussfolgerung ziehen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


95.94. Kollokationen und Präsentationen

In Präsentationen helfen feste Wortverbindungen, Inhalte flüssig zu strukturieren und spontan abzurufen.

Typische Verbindungen:

  • einen Überblick geben
  • auf einen Punkt eingehen
  • eine Frage aufgreifen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


96.95. Kollokationen und Zusammenfassungen

Zusammenfassungen profitieren von neutralen, wiederverwendbaren Kollokationen der Redewiedergabe.

Typische Verbindungen:

  • eine These vertreten
  • einen Aspekt hervorheben
  • zu dem Schluss kommen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


97.96. Kollokationen und Diagrammbeschreibung

Auch Datensprache basiert auf wiederkehrenden Kombinationen.

Typische Verbindungen:

  • deutlich ansteigen
  • leicht zurückgehen
  • einen Höchststand erreichen

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


98.97. Kollokationen und Bewertung

Bewertungen werden idiomatischer, wenn typische Intensitäts- und Bewertungsverbindungen genutzt werden.

Typische Verbindungen:

  • äußerst problematisch
  • von großer Bedeutung
  • ernste Bedenken

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


99.98. Kollokationen und Höflichkeit

Höfliche Kommunikation nutzt häufig vorgefertigte Kombinationen, deren Wirkung über die Einzelwörter hinausgeht.

Typische Verbindungen:

  • eine Bitte äußern
  • Verständnis zeigen
  • um Rückmeldung bitten

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


100.99. Lexikalische Präzision

Fortgeschrittene Sprachkompetenz bedeutet häufig nicht, seltenere Einzelwörter zu verwenden, sondern bekannte Wörter präziser zu kombinieren.

Typische Verbindungen:

  • bekanntes Wort + passender Kollokator = präzisere Sprache

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


101.100. Natürlichkeit

Natürlichkeit entsteht aus vielen kleinen konventionellen Entscheidungen. Kollokationen sind deshalb ein Kernbereich zwischen Grammatik und Wortschatz.

Typische Verbindungen:

  • grammatisch korrekt + kollokational typisch

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


102.101. Mentales Gesamtmodell

Wortschatz sollte als Netzwerk gelernt werden: Wortform → Bedeutung → typische Partner → Grammatik → Register → Beispiel → Kontrast. Kollokationen verbinden diese Ebenen miteinander.

Typische Verbindungen:

  • Wort → Partner → Muster → Kontext

Referenzhinweis: Bedeutung, Partnerwahl, Grammatik und Register sollten zusammen betrachtet werden.


103.Mastertabelle: Kollokationstypen

TypBeispiele
Verb + Nomeneine Entscheidung treffen · Kritik üben · Maßnahmen ergreifen
Nomen + Verbdie Nachfrage steigt · ein Problem entsteht · ein Verdacht besteht
Adjektiv + Nomenstarker Regen · hohe Kosten · große Bedeutung
Adverb + Adjektiväußerst wichtig · tief enttäuscht · stark umstritten
Adverb + Verbheftig kritisieren · dringend empfehlen · ausdrücklich betonen
Verb + Präpositionwarten auf · teilnehmen an · bestehen aus
Nomen + PräpositionInteresse an · Angst vor · Einfluss auf
Adjektiv + Präpositioninteressiert an · stolz auf · abhängig von

104.Kollokationsprofile häufiger Nomen

Basistypische Verbentypische AdjektiveMuster
Entscheidungtreffen · fällen · begründen · revidierenwichtige · schwierige · politischeEntscheidung über + Akk.
Kritiküben · äußern · zurückweisenheftige · scharfe · berechtigteKritik an + Dat.
Interessehaben · zeigen · wecken · verlierengroßes · wachsendes · besonderesInteresse an + Dat.
Verantwortungübernehmen · tragen · abgebengroße · persönliche · politischeVerantwortung für + Akk.
Einflusshaben · nehmen · ausüben · gewinnengroßer · direkter · erheblicherEinfluss auf + Akk.
Maßnahmeergreifen · umsetzen · planen · prüfenwirksame · geeignete · konkreteMaßnahme gegen / für
Rollespielen · übernehmen · verändernwichtige · zentrale · entscheidendeRolle bei / in
Problementstehen · lösen · verschärfen · erkennengroßes · ernstes · strukturellesProblem mit / bei
Zielsetzen · erreichen · verfolgen · verfehlenklares · realistisches · langfristigesZiel von / für
Datenerheben · auswerten · analysieren · veröffentlichenaktuelle · belastbare · vollständigeDaten zu + Dat.

105.Häufige Kollokatoren

Kollokatortypische Partner
treffenEntscheidung · Auswahl · Vorbereitungen
stellenFrage · Antrag · Diagnose · Forderung
führenGespräch · Verhandlung · Diskussion
leistenBeitrag · Hilfe · Widerstand
ziehenSchlussfolgerung · Konsequenzen · in Betracht
ergreifenMaßnahme · Initiative · Chance
äußernKritik · Zweifel · Bedenken
weckenInteresse · Hoffnung · Erwartungen
setzenZiele · Prioritäten · in Gang
nehmenRücksicht · Einfluss · in Anspruch

106.Registerkarte

Registertypische Kollokationen
neutraleine Entscheidung treffen · Interesse zeigen · ein Problem lösen
gesprochen / alltagsnahBescheid sagen · Spaß machen · eine Idee haben
schriftlich-formellMaßnahmen ergreifen · Kritik üben · einen Beitrag leisten
wissenschaftlichDaten erheben · eine Annahme zugrunde legen · eine Schlussfolgerung ziehen
administrativeinen Antrag stellen · eine Genehmigung erteilen · eine Frist einhalten

107.Typisch vs. nur wörtlich plausibel

Natürlichuntypisch / problematischHinweis
eine Entscheidung treffen*eine Entscheidung machentreffen ist der konventionelle Kollokator
Kritik üben*Kritik machenüben / äußern je nach Funktion
eine Frage stellen*eine Frage machenstellen ist Standard
Maßnahmen ergreifen*Maßnahmen machenergreifen / umsetzen / planen je nach Bedeutung
eine Schlussfolgerung ziehen*eine Schlussfolgerung machenziehen ist konventionell
hohe Wahrscheinlichkeit*große Wahrscheinlichkeithoch ist der typische Skalenpartner
starker Regen*schwerer Regenstark ist der typische Intensitätsausdruck
schwerer Fehler*starker Fehlerschwer markiert Ernsthaftigkeit
große Bedeutung*hohe Bedeutunggroß ist hier die Standardkollokation
ernste Bedenken*schwere Bedenkenernst ist typischer

108.Vorlage für einen Kollokationseintrag

BASIS: Entscheidung
BEDEUTUNG: choice / решение
TYPISCHE VERBEN: treffen, begründen, revidieren
TYPISCHE ADJEKTIVE: wichtig, schwierig, politisch
REKTION: Entscheidung über + Akk.
REGISTER: neutral
KONTRAST: Entschluss fassen
BEISPIEL: Die Regierung hat eine schwierige Entscheidung getroffen.

109.Thematische Kollokationsbanken

Arbeit

  • Verantwortung übernehmen
  • Erfahrung sammeln
  • eine Aufgabe übernehmen
  • eine Frist einhalten
  • ein Ziel erreichen

Studium und Wissenschaft

  • Daten erheben
  • eine Hypothese prüfen
  • eine Quelle auswerten
  • eine Schlussfolgerung ziehen
  • eine Annahme zugrunde legen

Argumentation

  • ein Argument anführen
  • eine Position vertreten
  • Kritik üben
  • Zweifel äußern
  • einen Einwand entkräften

Gesellschaft und Politik

  • Maßnahmen ergreifen
  • Druck ausüben
  • Verantwortung tragen
  • eine Debatte führen
  • eine Reform umsetzen

Daten und Trends

  • deutlich ansteigen
  • leicht zurückgehen
  • einen Höchststand erreichen
  • stabil bleiben
  • einen Trend erkennen

Kommunikation

  • eine Frage stellen
  • eine Antwort geben
  • Verständnis zeigen
  • um Rückmeldung bitten
  • ein Gespräch führen

110.Typische Lern- und Gebrauchsfehler

F1. Wort-für-Wort-Übersetzung

Problem: eine fremdsprachliche Kombination strukturell kopieren.

Besser: die gesamte Verbindung im Deutschen prüfen.


F2. nur das Basiswort lernen

Problem: Entscheidung ohne treffen / begründen / über.

Besser: mindestens Partner + Beispiel speichern.


F3. machen überverwenden

Problem: für viele abstrakte Nomen machen wählen.

Besser: spezifischen Kollokator lernen.


F4. Synonyme austauschen

Problem: nahe Synonyme mit denselben Partnern verwenden.

Besser: Partner jedes Synonyms separat lernen.


F5. Präposition vergessen

Problem: Interesse lernen, aber nicht Interesse an + Dat..

Besser: Rektion als Teil der Kollokation speichern.


F6. Kasus vergessen

Problem: teilnehmen an ohne Dativ lernen.

Besser: Kasus im Lerneintrag markieren.


F7. Register ignorieren

Problem: formelle Kollokation im lockeren Gespräch übernutzen.

Besser: Register mitlernen.


F8. seltene Kombination als falsch behandeln

Problem: ungewöhnlich = ungrammatisch setzen.

Besser: zwischen Grammatik, Häufigkeit und Norm unterscheiden.


F9. nur Produktion trainieren

Problem: eine Variante selbst sagen können, andere aber nicht erkennen.

Besser: auch rezeptive Variantenkenntnis aufbauen.


F10. Beispiel ohne Kontext

Problem: isolierte Zweiwortliste speichern.

Besser: vollständigen Beispielsatz ergänzen.


111.15-Sekunden-Nachschlagealgorithmus

1. Was ist das Basiswort?
2. Welche Partner sind typisch?
3. Welche Grammatik gehört dazu?
4. Gibt es eine feste Präposition oder einen festen Kasus?
5. Welches Register hat die Verbindung?
6. Welche nahe Alternative gibt es?
7. Habe ich einen vollständigen Beispielsatz?

112.Kompaktzusammenfassung

Wort
→ Bedeutung
→ typische Partner
→ grammatisches Muster
→ Register
→ Beispiel
→ Kontrast

Besonders wichtige Muster:

Verb + Nomen        → eine Entscheidung treffen
Adjektiv + Nomen    → hohe Wahrscheinlichkeit
Adverb + Verb       → ausdrücklich betonen
Verb + Präposition  → warten auf + Akk.
Nomen + Präposition → Interesse an + Dat.
Adjektiv + Präp.    → abhängig von + Dat.

Merksatz: Natürlicher Wortschatz besteht nicht aus isolierten Wörtern, sondern aus Wörtern mit ihren typischen Partnern.