1.Was dieses Nachschlagewerk abdeckt
Diese Seite ist ein Gesamtnachschlagewerk zu deutschen Relativsätzen.
Sie bündelt:
- den Grundbau eines Relativsatzes;
- die Wahl des Relativpronomens nach Genus, Numerus und Kasus;
- die vollständige Formenreihe von
der / die / das; - Relativsätze mit Nominativ, Akkusativ, Dativ und Genitiv;
- Konstruktionen mit Präpositionen;
- Wortstellung und Verbposition;
- die Formen
was,wo,wohinundwoher; - Relativadverbien mit
wo(r) + Präposition; - freie Relativsätze mit
wer / wen / wem / wessen; - die stilistische Alternative
welcher; - Zeichensetzung, Bedeutungsunterschiede und typische Fehler.
Die zentrale Idee lautet:
Ein Relativpronomen gehört gleichzeitig zu zwei Strukturen: Genus und Numerus kommen vom Bezugswort, der Kasus ergibt sich aus der Funktion des Pronomens im Relativsatz selbst.
Das Gesamtbild
Ein Relativsatz ergänzt Informationen zu einem Nomen, Pronomen oder manchmal zu einem größeren Teil der vorherigen Aussage.
Das ist der Mann, der nebenan wohnt.
Ich suche das Buch, das du mir empfohlen hast.
Die Kollegin, mit der ich arbeite, kommt aus Wien.
Grundmuster:
Bezugswort + , + Relativpronomen + ... + finites Verb
Zum Beispiel:
der Mann, der hier arbeitet
↑ ↑
Relativpronomen Verb am Ende
Ein Relativsatz ist ein Nebensatz. Deshalb steht der finite Teil des Prädikats normalerweise am Ende.
Zwei Fragen bestimmen die Form des Pronomens
Für die richtige Form müssen zwei Entscheidungen getrennt werden.
2.1. Welches Genus und welcher Numerus?
Beides kommt vom Bezugswort — also von dem Wort, auf das sich der Relativsatz bezieht.
der Mann → Maskulin Singular
die Frau → Feminin Singular
das Kind → Neutrum Singular
die Leute → Plural
3.2. Welcher Kasus?
Der Kasus wird durch die Funktion des Relativpronomens im Relativsatz bestimmt.
Vergleichen Sie:
Das ist der Mann, der hier arbeitet.
der ist Subjekt im Relativsatz → Nominativ.
Das ist der Mann, den ich gestern gesehen habe.
den ist direktes Objekt → Akkusativ.
Das ist der Mann, dem ich geholfen habe.
dem wird von helfen verlangt → Dativ.
Das ist der Mann, dessen Auto vor der Tür steht.
dessen drückt Zugehörigkeit aus → Genitiv.
Vollständige Tabelle der Relativpronomen
| Kasus | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der | die | das | die |
| Akkusativ | den | die | das | die |
| Dativ | dem | der | dem | denen |
| Genitiv | dessen | deren | dessen | deren |
Die meisten Formen entsprechen dem bestimmten Artikel. Besonders wichtig sind drei Formenreihen:
Dativ Plural → denen
Genitiv m/n → dessen
Genitiv f/pl → deren
Nominativ: Das Relativpronomen ist Subjekt
Der Mann, der dort steht, ist mein Nachbar.
Die Frau, die uns hilft, spricht drei Sprachen.
Das Kind, das im Garten spielt, heißt Leo.
Die Leute, die hier wohnen, kennen sich gut.
In jedem Beispiel führt das Pronomen selbst die Handlung im Relativsatz aus.
der arbeitet
die hilft
das spielt
die wohnen
Akkusativ: Das Pronomen ist direktes Objekt
Der Mann, den ich suche, arbeitet hier.
Die Frau, die wir eingeladen haben, kommt später.
Das Buch, das ich lese, ist sehr spannend.
Die Filme, die du empfohlen hast, waren gut.
Ein nützlicher Kontrast:
der Mann, der mich kennt
↑ Nominativ: er kennt mich
der Mann, den ich kenne
↑ Akkusativ: ich kenne ihn
Dativ: Die Form wird durch Verb oder Konstruktion bestimmt
Einige Verben verlangen den Dativ:
Der Kollege, dem ich helfe, ist neu im Team.
Die Kundin, der wir geantwortet haben, wartet noch.
Das Kind, dem das Fahrrad gehört, wohnt hier.
Die Freunde, denen ich vertraue, kennen die Geschichte.
Beachten Sie die Pluralform:
die Freunde → denen
Genitiv: dessen und deren
Der Genitiv wird vor allem für Zugehörigkeit verwendet.
Der Mann, dessen Auto kaputt ist, nimmt den Bus.
Das Haus, dessen Dach renoviert wird, ist sehr alt.
Die Frau, deren Sohn in Berlin lebt, ist Ärztin.
Die Familien, deren Kinder hier lernen, wohnen in der Nähe.
Muster:
Maskulin / Neutrum → dessen
Feminin / Plural → deren
dessen und deren stehen vor dem Nomen, mit dem die Zugehörigkeitsbeziehung ausgedrückt wird:
dessen Auto
deren Sohn
deren Kinder
Kasus im Hauptsatz und Kasus im Relativsatz sind unabhängig
Das ist eines der wichtigsten Prinzipien.
Ich kenne den Mann, der dort arbeitet.
Im Hauptsatz:
den Mann → Akkusativ
Im Relativsatz:
der → Nominativ
Ein weiteres Beispiel:
Der Mann, den ich kenne, arbeitet dort.
Jetzt gilt:
der Mann → Nominativ im Hauptsatz
den → Akkusativ im Relativsatz
Kopieren Sie nicht den Kasus des Bezugsworts. Bestimmen Sie den Kasus des Relativpronomens neu nach seiner Funktion im Relativsatz.
Relativsätze mit Präpositionen
Wenn im Relativsatz eine Präposition nötig ist, steht sie vor dem Relativpronomen.
Das ist die Kollegin, mit der ich arbeite.
Der Tisch, auf dem die Schlüssel liegen, ist neu.
Die Firma, für die er arbeitet, sitzt in Hamburg.
Das Thema, über das wir sprechen, ist kompliziert.
Die Leute, von denen ich erzählt habe, kommen morgen.
Vorgehen:
1. Welche Präposition wird gebraucht?
2. Welchen Kasus verlangt sie?
3. Genus/Numerus kommen vom Bezugswort.
4. Passende Form des Relativpronomens wählen.
Zum Beispiel:
mit + die Kollegin
mit → Dativ
Feminin Dativ → der
→ mit der
Wechselpräpositionen
Bei Wechselpräpositionen hängt der Kasus wie sonst auch von der Bedeutung ab.
Das ist das Haus, in dem ich wohne.
Position → Dativ.
Das ist das Haus, in das wir morgen einziehen.
Richtung → Akkusativ.
Ein Relativsatz verändert die normale Kasusrektion einer Präposition nicht.
Wortstellung: Das finite Verb steht am Ende
Vergleichen Sie Hauptsatz und Relativsatz:
Er arbeitet heute zu Hause.
der Mann, der heute zu Hause arbeitet
Das ist der Mann, der heute zu Hause arbeitet.
Mit Modalverb:
Das ist die Kollegin, die morgen kommen kann.
Im Perfekt:
Das ist der Film, den wir gestern gesehen haben.
Mit trennbarem Verb:
Die Frau, die jeden Morgen anruft, arbeitet bei der Bank.
Im Nebensatz steht die trennbare Vorsilbe wieder mit dem Verb zusammen:
Sie ruft an.
→ die Frau, die anruft
Position des Relativsatzes
Der Relativsatz steht normalerweise möglichst nah am Bezugswort.
Der Mann, der am Fenster steht, ist mein Lehrer.
Wenn der Hauptsatz nach dem eingeschobenen Relativsatz weitergeht, stehen auf beiden Seiten Kommas:
Der Mann, der am Fenster steht, ist mein Lehrer.
Steht der Relativsatz am Ende, braucht man nur das einleitende Komma:
Ich kenne den Mann, der am Fenster steht.
Das Komma ist obligatorisch
Im Standarddeutschen wird ein Relativsatz immer durch Kommas abgetrennt — unabhängig davon, ob die Information zur Identifikation nötig ist oder nur eine Zusatzinformation liefert.
Der Mann, der dort steht, ist mein Bruder.
Ich suche den Mann, den du gestern gesehen hast.
Das ist ein wichtiger Unterschied etwa zur englischen Zeichensetzung: Im Deutschen wird restrictive / non-restrictive nicht durch das Vorhandensein oder Fehlen eines Kommas unterschieden.
Das Relativpronomen kann nicht einfach wegfallen
Im Englischen kann ein Relativpronomen als Objekt häufig ausgelassen werden. Im Standarddeutschen geht das nicht.
Richtig:
Das Buch, das ich lese, ist spannend.
Nicht standardsprachlich:
*Das Buch, ich lese, ist spannend.
Das Relativpronomen gehört zur grammatischen Struktur des Nebensatzes.
was: nach indefiniten und verallgemeinernden Ausdrücken
was steht häufig nach Wörtern mit indefiniter oder verallgemeinernder Bedeutung:
Alles, was er sagt, klingt logisch.
Es gibt nichts, was mich überrascht.
Das ist etwas, was wir besprechen müssen.
Nach einem substantivierten Superlativ:
Das Beste, was du tun kannst, ist warten.
was kann sich auch auf die gesamte vorherige Aussage beziehen:
Er hat den Termin abgesagt, was mich überrascht hat.
Hier bezieht sich was auf den ganzen Sachverhalt „Er hat den Termin abgesagt“, nicht auf ein einzelnes Nomen.
das und was: nicht verwechseln
Nach einem gewöhnlichen konkreten Neutrum-Nomen verwendet man das:
Das Buch, das auf dem Tisch liegt, gehört mir.
Im neutralen Standarddeutsch nicht:
*das Buch, was auf dem Tisch liegt
was ist typisch nach alles, etwas, nichts, das, substantivierten Superlativen und bei Bezug auf eine ganze Aussage.
wo, wohin, woher
Relativadverbien können einen Relativsatz mit einem Ort verbinden.
Berlin, wo ich drei Jahre gelebt habe, hat sich verändert.
Das ist dort, wo wir uns kennengelernt haben.
Er zeigte in die Richtung, wohin die anderen gegangen waren.
Das Dorf, woher sie kommt, liegt nahe der Grenze.
Nach einem normalen Nomen mit konkreter räumlicher Beziehung ist Präposition + Relativpronomen oft präziser:
die Stadt, in der ich wohne
das Haus, aus dem er kommt
Diese Form ist besonders im geschriebenen Standarddeutsch neutral.
wo(r) + Präposition als Relativadverb
Bei einem abstrakten Bezug ist eine wo(r)--Form oft natürlich:
Das ist etwas, woran ich oft denke.
Es gibt vieles, worüber wir sprechen müssen.
Das ist genau das, worauf ich gewartet habe.
Muster:
wo + r + Präposition
→ woran
→ worauf
→ worüber
→ worin
Das r erscheint vor einer Präposition, die mit einem Vokal beginnt.
Freie Relativsätze: wer / wen / wem / wessen
Manchmal steht vor dem Relativsatz kein eigenes Nomen. Dann bezeichnet die Relativkonstruktion selbst eine Person oder Personengruppe.
Wer viel liest, lernt viele neue Wörter.
Wen du einlädst, entscheidest du selbst.
Wem du vertraust, dem kannst du die Wahrheit sagen.
Wessen Tasche hier liegt, der soll sie abholen.
Das ist ein freier Relativsatz.
Die Form im freien Relativsatz ergibt sich aus ihrer eigenen Funktion:
wer → Nominativ
wen → Akkusativ
wem → Dativ
wessen → Genitiv
wer ... der, wem ... dem: Korrelat im Hauptsatz
Nach einem freien Relativsatz kann im Hauptsatz ein demonstratives Korrelat stehen:
Wer zuerst kommt, der bekommt den besten Platz.
Wem ich vertraue, dem erzähle ich die Wahrheit.
Wen du auswählst, den rufst du später an.
Der Kasus der Form im Hauptsatz wird wiederum durch ihre eigene Funktion bestimmt.
welcher als stilistische Alternative
welcher / welche / welches kann als Relativpronomen verwendet werden, besonders in formelleren oder schriftsprachlichen Kontexten.
Der Vertrag, welcher gestern unterschrieben wurde, gilt ab sofort.
Die Methode, welche hier beschrieben wird, ist sehr verbreitet.
Im neutralen modernen Deutsch ist meistens natürlicher:
der / die / das
welcher kann stilistisch nützlich sein, zum Beispiel um eine enge Wiederholung gleicher Formen zu vermeiden.
Einschränkende und ergänzende Information
Relativsätze können semantisch unterschiedliche Funktionen haben.
4.Die Information bestimmt genauer, wer oder was gemeint ist
Die Studenten, die die Prüfung bestanden haben, bekommen ein Zertifikat.
Gemeint sind nur die Studenten, die bestanden haben.
5.Die Information ergänzt nur eine Beschreibung
Herr Weber, der seit zwanzig Jahren hier arbeitet, geht in Rente.
Der Name identifiziert die Person bereits; der Relativsatz liefert Zusatzinformation.
Im Deutschen stehen in beiden Fällen Kommas. Der Unterschied ist vor allem semantisch, nicht orthografisch.
Wenn das Bezugswort ein Pronomen ist
Ein Relativsatz kann sich nicht nur auf ein Nomen beziehen.
Diejenigen, die bereits bezahlt haben, können eintreten.
Derjenige, der zuerst antwortet, gewinnt.
Alle, die teilnehmen möchten, müssen sich anmelden.
Bei derjenige / diejenige / diejenigen sind Genus und Numerus bereits deutlich an der Form erkennbar.
Komplexe Verbgruppen
Das Grundprinzip bleibt: Ein Relativsatz ist ein Nebensatz, daher sammelt sich die Verbgruppe am Ende.
Mit Perfekt:
Das ist die Frau, die uns geholfen hat.
Mit Passiv:
Das ist das Gebäude, das gerade renoviert wird.
Mit Modalverb:
Das ist die Datei, die du öffnen musst.
Mit Futur:
Das ist ein Problem, das uns noch beschäftigen wird.
Bei besonders komplexen Konstruktionen folgt die Reihenfolge innerhalb der finalen Verbgruppe den allgemeinen Regeln des deutschen Nebensatzes.
Die Form Schritt für Schritt bestimmen
Nehmen wir:
Das ist die Kollegin, mit der ich jeden Tag spreche.
1. Bezugswort finden
die Kollegin
→ Feminin Singular.
2. Funktion im Relativsatz bestimmen
Die Konstruktion lautet:
mit jemandem sprechen
Die Präposition mit wird gebraucht.
3. Kasus bestimmen
mit → Dativ.
4. Merkmale verbinden
Feminin + Dativ → der
5. Präposition vor die Form setzen
mit der
Ergebnis:
die Kollegin, mit der ich jeden Tag spreche
Zweites Schritt-für-Schritt-Beispiel: Die Kasus stimmen nicht überein
Ich besuche den Freund, dem ich gestern geschrieben habe.
Im Hauptsatz:
ich besuche wen?
→ den Freund
→ Akkusativ
Im Relativsatz:
jemandem schreiben
→ Dativ
→ dem
Daher ist diese Kombination völlig normal:
den Freund, dem ...
Akkusativ Dativ
Typische Fehler
6.Den Kasus des Bezugsworts kopieren
Nicht:
*Ich kenne den Mann, den dort arbeitet.
Richtig:
Ich kenne den Mann, der dort arbeitet.
Im Relativsatz ist das Pronomen Subjekt → Nominativ.
7.Hauptsatzwortstellung verwenden
Nicht:
*der Mann, der arbeitet hier
Richtig:
der Mann, der hier arbeitet
8.Die Präposition vergessen
Nicht:
*die Kollegin, der ich arbeite
Richtig:
die Kollegin, mit der ich arbeite
9.Bei jedem Maskulinum der verwenden
Nicht:
*der Mann, der ich sehe
Richtig:
der Mann, den ich sehe
Maskulin bedeutet nicht automatisch der; auch der Kasus muss stimmen.
10.was nach einem normalen Neutrum-Nomen verwenden
Im neutralen Standarddeutsch nicht:
*das Auto, was vor dem Haus steht
Richtig:
das Auto, das vor dem Haus steht
11.Das Relativpronomen auslassen
Nicht:
*das Buch, ich gekauft habe
Richtig:
das Buch, das ich gekauft habe
12.Das zweite Komma vergessen
Nicht:
*Der Mann, der dort steht ist mein Lehrer.
Richtig:
Der Mann, der dort steht, ist mein Lehrer.
Ultrakompakte Strategie
1. Bezugswort finden.
2. Genus + Numerus davon übernehmen.
3. Funktion des Pronomens im Relativsatz prüfen.
4. Kasus bestimmen.
5. Falls nötig: Präposition vor das Pronomen setzen.
6. Finites Verb ans Ende stellen.
7. Relativsatz mit Kommas abtrennen.
Mini-Formel:
Bezugswort → Genus + Numerus
Relativsatz → Kasus
zusammen → Relativpronomen
13.Verwandte Nachschlagewerke
Besonders nützlich:
- German Cases Master Reference
- Pronouns Master Reference
- Prepositions by Case and Meaning
- German Word Order Master Reference
- Passive and Alternatives Master Reference
14.Zusammenfassung
Ein deutscher Relativsatz verbindet eine Beschreibung mit einem Bezugswort und ist zugleich ein normaler Nebensatz.
Die Kernregeln:
Genus + Numerus ← vom Bezugswort
Kasus ← aus der Funktion im Relativsatz
Verb → ans Ende
Kommas → obligatorisch
Die Grundformen:
Nom: der / die / das / die
Akk: den / die / das / die
Dat: dem / der / dem / denen
Gen: dessen / deren / dessen / deren
Mit Präposition:
mit der
auf dem
für die
über das
von denen
Spezielle Gruppen:
alles / etwas / nichts / das Beste → was
Ort / Richtung → wo / wohin / woher
abstrakter Bezug + Präposition → woran / worauf / worüber ...
freier Relativsatz → wer / wen / wem / wessen
Entscheidend ist, die Form nicht nur aus dem Wort vor dem Komma abzuleiten. Man muss zwei grammatische Systeme gleichzeitig sehen: die Merkmale des Bezugsworts und die Funktion des Pronomens im Relativsatz.