1.Was diese Seite erklärt
Substantivierte Adjektive und Partizipien sehen äußerlich oft wie Adjektive aus, funktionieren syntaktisch aber als Nomen.
Typische Formen:
der Angestellte
eine Bekannte
die Reisenden
der Verletzte
die Betroffenen
das Gesagte
etwas Neues
nichts Besonderes
Die zentrale Besonderheit lautet:
Substantivierung
→ Großschreibung wie beim Nomen
→ Deklination weiterhin wie beim Adjektiv
Das bedeutet:
der Bekannte
ein Bekannter
mit einem Bekannten
die Bekannten
Bei Partizipien kommt zusätzlich die verbale Bedeutung ins Spiel:
Partizip I
→ laufende / aktive Beziehung
die Reisenden = die Personen, die reisen
Partizip II
→ abgeschlossene / passive oder resultative Beziehung
die Verletzten = die Personen, die verletzt wurden / sind
Auf C1 ist wichtig, nicht nur einzelne Formen zu kennen, sondern auch:
Kasus und Deklination sicher steuern
Personen- und Sachbedeutung unterscheiden
Partizip I und II semantisch trennen
abstrakte neutrale Formen verwenden
Referenz im Text verfolgen
Substantivierungen in dichtem Stil korrekt einsetzen
Die Seite ist Referenz- und Selbstlernmaterial. Sie enthält keine Übungen oder Tests.
2.1. Was bedeutet Substantivierung?
Bei der Substantivierung übernimmt ein Adjektiv oder Partizip die Funktion eines Nomens.
Beispiele:
der Alte
die Lernenden
das Bekannte
3.2. Großschreibung
Substantivierte Adjektive und Partizipien werden großgeschrieben.
Beispiele:
der Deutsche
die Verantwortlichen
etwas Neues
4.3. Deklination bleibt adjektivisch
Obwohl die Form nominal gebraucht wird, richtet sich die Endung nach den Regeln der Adjektivdeklination.
Beispiele:
der Bekannte
ein Bekannter
mit einem Bekannten
5.4. Artikel steuert die Endung
Wie bei normalen Adjektiven entscheidet der vorausgehende Artikel mit darüber, welche Endung gebraucht wird.
Beispiele:
der Angestellte
ein Angestellter
6.5. Genus bei Personen
Bei Personen richtet sich das Genus häufig nach dem natürlichen Geschlecht: der Deutsche, die Deutsche.
Beispiele:
ein Bekannter
eine Bekannte
7.6. Plural ist oft genusneutral
Im Plural verschwindet der Genusunterschied häufig.
Beispiele:
die Deutschen
die Reisenden
die Betroffenen
8.7. Referenz muss klar sein
Eine substantivierte Form braucht einen klaren Bezug: Person, Gruppe, Sache oder abstrakter Inhalt.
Beispiele:
die Verantwortlichen = die Personen, die verantwortlich sind
9.8. Substantivierung spart Wiederholung
Ein bereits bekanntes Nomen kann durch eine substantivierte Form ersetzt werden.
Beispiele:
die jungen Mitarbeitenden → die Jungen
10.9. Aber nicht jede Verkürzung ist eindeutig
Wenn mehrere mögliche Bezugsnomen im Kontext stehen, kann eine substantivierte Form mehrdeutig werden.
Beispiele:
die Betroffenen – wer genau?
11.10. Adjektiv oder Nomen?
Die Schreibweise zeigt häufig die syntaktische Funktion: ein neues Verfahren vs. etwas Neues.
Beispiele:
etwas Wichtiges
12.11. Partizip oder substantiviertes Partizip?
die wartenden Gäste enthält ein Attribut; die Wartenden ist substantiviert.
Beispiele:
die wartenden Gäste ↔ die Wartenden
13.12. C1-Ziel
Auf C1 sollte man Form, Bedeutung, Deklination und Textfunktion gleichzeitig kontrollieren können.
Beispiele:
Form erkennen → Referenz bestimmen → Endung wählen → Stil prüfen.
14.13. Personenbezeichnung mit Adjektiv
Viele Adjektive können Personen bezeichnen, wenn das Bezugsnomen ausgelassen wird.
Beispiele:
der Alte
die Junge
die Reichen
15.14. Bestimmter Artikel: schwache Deklination
Nach der/die/das stehen substantivierte Adjektive typischerweise schwach.
Beispiele:
der Bekannte
die Bekannte
die Bekannten
16.15. Unbestimmter Artikel: gemischte Deklination
Nach ein/eine gelten die Regeln der gemischten Adjektivdeklination.
Beispiele:
ein Bekannter
eine Bekannte
17.16. Ohne Artikel: starke Deklination
Ohne Artikel trägt die substantivierte Form die Kasusinformation stärker selbst.
Beispiele:
Bekannte aus dem Ausland
18.17. Nominativ maskulin
Mit bestimmtem Artikel: der Bekannte; mit unbestimmtem Artikel: ein Bekannter.
Beispiele:
Der Bekannte wartet draußen.
19.18. Akkusativ maskulin
Im Akkusativ lautet die Form den Bekannten bzw. einen Bekannten.
Beispiele:
Ich treffe einen Bekannten.
20.19. Dativ maskulin
Im Dativ steht dem Bekannten bzw. einem Bekannten.
Beispiele:
Ich spreche mit einem Bekannten.
21.20. Genitiv maskulin
Im Genitiv lautet die Form des Bekannten bzw. eines Bekannten.
Beispiele:
die Meinung eines Bekannten
22.21. Femininum
Bei femininen Personenformen folgt die Deklination denselben Adjektivregeln.
Beispiele:
die Bekannte
eine Bekannte
mit einer Bekannten
23.22. Plural
Im Plural heißt es nach bestimmtem Artikel meist die Bekannten, den Bekannten.
Beispiele:
mit den Bekannten
24.23. Nationalitäten und Zugehörigkeit
Substantivierte Adjektive bezeichnen häufig Nationalität oder Zugehörigkeit.
Beispiele:
der Deutsche
die Deutsche
die Deutschen
25.24. Soziale Gruppen
Auch soziale oder situative Kategorien können substantiviert werden.
Beispiele:
die Arbeitslosen
die Bedürftigen
die Reichen
26.25. Bewertung vermeiden
Manche substantivierten Adjektive wirken kategorisierend oder vereinfachend. Im sensiblen Kontext sollte man prüfen, ob eine neutralere Personenbezeichnung besser ist.
Beispiele:
ältere Menschen statt pauschal: die Alten
27.26. Lexikalisierte Formen
Einige substantivierte Adjektive sind als feste Nomen stark etabliert.
Beispiele:
der Erwachsene
der Jugendliche
28.27. der Erwachsene
Erwachsene wird wie ein Adjektiv dekliniert, obwohl es lexikalisch sehr nominal wirkt.
Beispiele:
ein Erwachsener
mit einem Erwachsenen
29.28. der Jugendliche
Auch Jugendliche folgt der Adjektivdeklination.
Beispiele:
die Jugendlichen
mit Jugendlichen
30.29. Neutrale substantivierte Adjektive
Im Neutrum können Adjektive abstrakte Inhalte, Eigenschaften oder nicht näher bezeichnete Dinge ausdrücken.
Beispiele:
das Gute
das Neue
31.30. das Gute
das Gute bezeichnet das, was gut ist, als abstrakten oder allgemeinen Bereich.
Beispiele:
Man sollte das Gute bewahren.
32.31. das Wesentliche
das Wesentliche ist ein typisches C1-Wort für den zentralen Kern einer Sache.
Beispiele:
Beschränken wir uns auf das Wesentliche.
33.32. das Neue
das Neue bezeichnet einen neuen Aspekt oder das Neue als Kategorie.
Beispiele:
Das Neue daran ist die Methode.
34.33. etwas + substantiviertes Adjektiv
Nach etwas steht häufig eine substantivierte neutrale Form mit starker Endung.
Beispiele:
etwas Neues
etwas Wichtiges
35.34. nichts + substantiviertes Adjektiv
Auch nach nichts steht typischerweise eine neutrale substantivierte Form.
Beispiele:
nichts Besonderes
36.35. viel / wenig + substantiviertes Adjektiv
Nach unbestimmten Mengenwörtern erscheinen häufig Formen wie viel Interessantes oder wenig Neues.
Beispiele:
viel Nützliches
wenig Überraschendes
37.36. alles + substantiviertes Adjektiv
Nach alles steht typischerweise eine schwach flektierte substantivierte Form.
Beispiele:
alles Weitere
alles Notwendige
38.37. das Wichtigste
Auch Superlative können substantiviert werden.
Beispiele:
Das Wichtigste ist die klare Kommunikation.
39.38. Komparativische Bedeutung
Substantivierte Komparative sind möglich, wenn zwei Alternativen oder Stufen verglichen werden.
Beispiele:
Wir suchen etwas Besseres.
40.39. Abstrakte Referenz
Neutrale substantivierte Adjektive sind besonders nützlich, wenn der genaue Gegenstand nicht genannt werden soll oder bereits bekannt ist.
Beispiele:
Das Entscheidende ist ...
41.40. Textkohäsion durch abstrakte Formen
Formen wie das Entscheidende, das Problematische, das Bemerkenswerte können vorherige Aussagen kommentierend bündeln.
Beispiele:
Das Bemerkenswerte daran ist, dass ...
42.41. Stilistisch verdichtete Bewertung
Solche Formen sind typisch für argumentierende und analytische Texte.
Beispiele:
Das Problematische an diesem Ansatz ist ...
43.42. Nicht überverwenden
Zu viele abstrakte neutrale Substantivierungen können einen Text unnötig schwer und wertend machen.
Beispiele:
das Wesentliche, das Entscheidende, das Problematische – gezielt einsetzen
44.43. Partizip I als Basis
Partizip I wird aus dem Infinitiv plus -d gebildet und kann substantiviert werden.
Beispiele:
reisen → reisend → die Reisenden
45.44. Aktive Bedeutung
Substantiviertes Partizip I bezeichnet typischerweise Personen oder Wesen, die die Handlung selbst ausführen.
Beispiele:
die Lernenden = Personen, die lernen
46.45. Gleichzeitigkeit / laufender Prozess
Partizip I stellt die Handlung meist als gleichzeitig oder charakteristisch dar.
Beispiele:
die Wartenden
47.46. die Reisenden
die Reisenden bezeichnet Personen, die reisen oder sich in einer Reisesituation befinden.
Beispiele:
Die Reisenden warten am Gleis.
48.47. die Studierenden
Studierende ist grammatisch ein substantiviertes Partizip I und wird wie ein Adjektiv dekliniert.
Beispiele:
die Studierenden
mit den Studierenden
49.48. die Mitarbeitenden
Mitarbeitende ist eine substantivierte Partizipialform mit Personenreferenz.
Beispiele:
alle Mitarbeitenden
50.49. Singularformen
Auch Singularformen sind grammatisch möglich: der Reisende, eine Studierende.
Beispiele:
ein Reisender
eine Studierende
51.50. Deklination wie beim Adjektiv
Partizip-I-Substantivierungen folgen vollständig der Adjektivdeklination.
Beispiele:
der Reisende
ein Reisender
mit einem Reisenden
52.51. Semantik kann lexikalisiert werden
Manche Formen bezeichnen nicht nur eine momentane Handlung, sondern eine soziale oder institutionelle Rolle.
Beispiele:
Studierende
53.52. Partizip I vs. Berufsbezeichnung
Eine partizipiale Personenbezeichnung ist nicht immer semantisch identisch mit einer festen Berufsbezeichnung.
Beispiele:
Lehrende ≠ in jedem Kontext Lehrer
54.53. Zeitliche Interpretation beachten
Bei wörtlicher Lesart kann Partizip I eine aktuell laufende Handlung nahelegen.
Beispiele:
die Schlafenden = Personen, die gerade schlafen
55.54. Erweiterung vor der Substantivierung
Ein Partizip kann durch Ergänzungen erweitert und dann substantiviert werden.
Beispiele:
die an der Studie Teilnehmenden
56.55. Dichte C1-Struktur
Erweiterte substantivierte Partizipien können sehr kompakt sein, aber sie erhöhen die Verarbeitungsdichte stark.
Beispiele:
die seit Jahren im Unternehmen Beschäftigten
57.56. Verbalisierung als Alternative
Bei sehr langen Erweiterungen ist ein Relativsatz oft leichter.
Beispiele:
die Personen, die seit Jahren im Unternehmen beschäftigt sind
58.57. Partizip II als Basis
Auch Partizip II kann substantiviert werden.
Beispiele:
verletzen → verletzt → der Verletzte
59.58. Passive oder resultative Bedeutung
Substantiviertes Partizip II bezeichnet häufig Personen oder Dinge, die von einer Handlung betroffen sind oder einen resultierenden Zustand tragen.
Beispiele:
die Betroffenen
60.59. der Verletzte
der Verletzte bezeichnet eine Person, die verletzt wurde oder verletzt ist.
Beispiele:
Der Verletzte wurde versorgt.
61.60. die Betroffenen
die Betroffenen bezeichnet Personen, die von einer Situation, Maßnahme oder einem Ereignis betroffen sind.
Beispiele:
Die Betroffenen wurden informiert.
62.61. die Beschäftigten
Beschäftigte ist ein stark lexikalisierter Ausdruck für Personen in einem Beschäftigungsverhältnis.
Beispiele:
die Beschäftigten des Unternehmens
63.62. der Angeklagte
Auch rechtliche Rollen können durch substantivierte Partizipien bezeichnet werden.
Beispiele:
der Angeklagte
die Angeklagten
64.63. die Beteiligten
Beteiligte bezeichnet Personen, die an einem Vorgang beteiligt sind.
Beispiele:
alle Beteiligten
65.64. Deklination bleibt adjektivisch
Auch lexikalisierte Partizip-II-Substantivierungen werden wie Adjektive dekliniert.
Beispiele:
der Beschäftigte
ein Beschäftigter
mit einem Beschäftigten
66.65. Partizip II ohne echte Passivbedeutung
Nicht jedes Partizip II ist semantisch passiv. Bei intransitiven Verben kann eher ein resultierter Zustand gemeint sein.
Beispiele:
der Verstorbene
67.66. der Verstorbene
verstorben bezeichnet einen resultierenden Zustand; die substantivierte Form ist stark lexikalisiert.
Beispiele:
die Verstorbenen
68.67. Person vs. Sache
Partizip-II-Substantivierungen können sich je nach Genus und Kontext auf Personen oder Inhalte beziehen.
Beispiele:
der Betroffene
das Gesagte
69.68. das Gesagte
das Gesagte bezeichnet den Inhalt dessen, was gesagt wurde.
Beispiele:
Das Gesagte lässt sich unterschiedlich interpretieren.
70.69. das Geschriebene
Analog bezeichnet das Geschriebene den Inhalt eines geschriebenen Textes oder einer Äußerung.
Beispiele:
Das Geschriebene bleibt dokumentiert.
71.70. das Erreichte
das Erreichte bündelt ein bereits erzieltes Ergebnis.
Beispiele:
Auf dem Erreichten lässt sich aufbauen.
72.71. das Vereinbarte
Diese Form verweist kompakt auf zuvor vereinbarte Inhalte.
Beispiele:
Wir halten uns an das Vereinbarte.
73.72. Textkohäsion mit Partizip II
Neutrale substantivierte Partizipien können ganze vorherige Inhalte wiederaufnehmen.
Beispiele:
das Gesagte
das Beschlossene
das Vereinbarte
74.73. Substantiviertes Partizip mit Präpositionalergänzung
Verbale Präpositionalergänzungen können in der partizipialen Struktur erhalten bleiben.
Beispiele:
die an dem Projekt Beteiligten
75.74. Substantiviertes Partizip mit Adverbial
Auch Adverbiale können vor der substantivierten Form stehen.
Beispiele:
die dort Beschäftigten
76.75. Substantiviertes Partizip mit Objekt
Partizipiale Erweiterungen können Objekte enthalten.
Beispiele:
die den Antrag Prüfenden
77.76. Kasus der Gesamtgruppe
Die substantivierte Form erhält ihre Endung nach der syntaktischen Funktion der gesamten Nominalgruppe.
Beispiele:
mit den anwesenden Verantwortlichen
78.77. Endung am Kern
Bei erweiterten Gruppen bleibt die substantivierte Form der Kopf und trägt die entscheidende Flexionsendung.
Beispiele:
die seit Langem Beschäftigten
79.78. Artikel + Erweiterung + Kopf
Ein nützliches Analysemodell lautet: Artikel → Erweiterung → substantiviertes Adjektiv/Partizip.
Beispiele:
die von der Reform Betroffenen
80.79. Relativsatz als Entfaltung
Dichte substantivierte Partizipien lassen sich oft in einen Relativsatz zurückführen.
Beispiele:
die von der Reform Betroffenen → die Personen, die von der Reform betroffen sind
81.80. Informationsdichte
Substantivierte Partizipien können mehrere Informationen in einer Nominalgruppe bündeln.
Beispiele:
die bereits mehrfach informierten Beteiligten
82.81. Lesbarkeit
Wenn zu viele Ergänzungen vor dem substantivierten Kopf stehen, steigt die Verarbeitungslast stark.
Beispiele:
die seit Monaten von mehreren Stellen wiederholt schriftlich Informierten
83.82. Vorfeldfähigkeit
Die gesamte substantivierte Gruppe kann als Satzglied im Vorfeld stehen.
Beispiele:
Die von der Änderung Betroffenen wurden informiert.
84.83. Präpositionalgruppen mit substantivierten Formen
Substantivierte Adjektive und Partizipien funktionieren vollständig als Nominalkerne in Präpositionalgruppen.
Beispiele:
mit den Verantwortlichen
für die Betroffenen
85.84. Genitivattribute
Auch Genitivattribute sind möglich, wenn der Bezug klar bleibt.
Beispiele:
die Angehörigen der Betroffenen
86.85. Substantivierung und Inklusivität
Partizipiale Personenbezeichnungen werden in manchen Kontexten genutzt, um geschlechtsübergreifend zu formulieren. Dabei sollte die semantische Passung zum Kontext beachtet werden.
Beispiele:
Studierende
Mitarbeitende
87.86. Nicht jede Partizipform ist semantisch neutral
Ein Partizip kann einen momentanen Vorgang hervorheben, obwohl eigentlich eine dauerhafte Rolle gemeint ist.
Beispiele:
Lehrende vs. Lehrkräfte
88.87. Lexikalisierung verändert Wahrnehmung
Je etablierter eine Form ist, desto weniger wird ihre ursprüngliche partizipiale Bedeutung bewusst wahrgenommen.
Beispiele:
Beschäftigte
Erwachsene
89.88. Typischer Fehler: Kleinschreibung
Substantivierte Formen müssen großgeschrieben werden.
Beispiele:
*etwas Neues, nicht etwas neues
90.89. Typischer Fehler: Nomenendung statt Adjektivendung
Substantivierte Adjektive bekommen keine eigene Nomenflexion, sondern Adjektivendungen.
Beispiele:
ein Bekannter
mit einem Bekannten
91.90. Typischer Fehler: Kasus ignorieren
Die Endung ändert sich mit Kasus und Artikel.
Beispiele:
der Verantwortliche → mit dem Verantwortlichen
92.91. Typischer Fehler: Partizip I und II verwechseln
Partizip I ist typischerweise aktiv/prozessual; Partizip II eher betroffen/resultativ.
Beispiele:
die Prüfenden ↔ die Geprüften
93.92. Typischer Fehler: unklare Referenz
Eine substantivierte Form darf den Leser nicht raten lassen, welche Gruppe gemeint ist.
Beispiele:
die Betroffenen – Bezug vorher klar einführen
94.93. Typischer Fehler: überladene Partizipgruppe
Zu viele Erweiterungen vor dem Kopf machen die Struktur unnötig dicht.
Beispiele:
besser ggf. Relativsatz verwenden
95.94. C1-Analysealgorithmus
Bei substantivierten Adjektiven und Partizipien hilft ein systematischer Ablauf.
1. Ist die Form wirklich substantiviert?
2. Person, Sache oder abstrakter Inhalt?
3. Adjektiv, Partizip I oder Partizip II?
4. Welcher Artikel / Begleiter steht davor?
5. Welcher Kasus ist erforderlich?
6. Starke, schwache oder gemischte Deklination?
7. Ist die Referenz eindeutig?
8. Passt die aktive / passive / resultative Bedeutung?
9. Ist die Gruppe noch lesbar oder wäre ein Relativsatz klarer?
96.95. Textstrategischer Nutzen
Substantivierungen können Referenz verdichten, Wiederholung vermeiden und bekannte Gruppen kompakt benennen.
Beispiele:
die Teilnehmenden
das Gesagte
das Wesentliche
97.96. Was man sich merken sollte
Substantivierte Adjektive und Partizipien verbinden nominale Funktion mit adjektivischer Flexion.
Großschreibung → wie Nomen
Endungen → wie Adjektive
Personenformen → Genus oft nach Referenz
Neutrum → häufig abstrakt: das Gute, etwas Neues
Partizip I → meist aktiv / laufend
Partizip II → meist betroffen / resultativ
erweiterte Formen → sehr dicht, ggf. mit Relativsatz entfalten
C1 → Form + Kasus + Bedeutung + Referenz gleichzeitig kontrollieren
98.Kurzfassung
Grundprinzip:
Substantivierung
→ Funktion wie ein Nomen
→ Großschreibung
→ Deklination weiterhin wie beim Adjektiv
Personenformen:
der Bekannte
ein Bekannter
einen Bekannten
mit einem Bekannten
die Bekannte
eine Bekannte
die Bekannten
mit den Bekannten
Abstraktes Neutrum:
das Gute
das Wesentliche
das Neue
etwas Wichtiges
nichts Besonderes
alles Weitere
das Wichtigste
Partizip I:
die Reisenden
die Studierenden
die Wartenden
→ meist aktiv / gleichzeitig / laufend
Partizip II:
die Betroffenen
die Beschäftigten
der Verletzte
das Gesagte
das Vereinbarte
→ meist betroffen / abgeschlossen / resultativ
Dichte C1-Strukturen:
die an dem Projekt Beteiligten
die von der Reform Betroffenen
die seit Jahren im Unternehmen Beschäftigten
Bei zu großer Dichte:
→ Relativsatz verwenden
die Personen, die von der Reform betroffen sind
Die Kernformel lautet: nominale Funktion, aber adjektivische Flexion. Auf C1 kommen Referenz, Partizipbedeutung und Informationsdichte hinzu.